Berlin-Film-Katalog (in Vorbereitung)

Rarität des Monats Oktober 2016

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Vom 6.-8. und 10.-12. Oktober 2016 um 18 Uhr (am 10. in Anwesenheit von Dietmar Klein) läuft

 

Solinger-Rudi

BRD 1990/1991 – 61 Min. – 16 mm (1:1,37) – Farbe
Regie, Buch, Schnitt: Dietmar Klein. Kamera: Michael Hammon, Peter Henning, Rainer Hofmann, Frank Blasberg. Kameraassistenz: Eveline Stähelin. Regieassistenz: Ralph Bohn. Ton: Sabine Hillmann, Georg Maas. Licht: Olaf Koschke. Ausstattung: Andreas Velten. Script: Cornelia Fahrtmann. Kostüme: Sibel Özer. Best Boy: Andreas Fliedner. Musik: Cues Recording, Marcel L’Accord. Blasmusik: Joe Watzke. Spot-Stimme: Heinz-Theo Branding. Schnittberatung: Petra Heymann. Trick: Herbert Schramm. Videotrick: Gerhard Petzold. Videotechnik: Klaus Krützfeld. Negativschnitt: Barbara Kupferer-Cordts. Synchronisation: Manfred Stahl. Mischung: Martin Steyer.
Darsteller: Achim Grubel, Ralf Holzhausen, Christel Harthaus, Peter Schlesinger, Evelyn Meyka, Rudi Unger, Käse-Paul, Detlev Buck, Johanna Karl-Lory, Hans Müller, Siegfried Krägeloh, Christel Scherner, Frank Behnke, Eduard Gernart, Henry Jahny, Irene Rindje, Reinhard Münster, Gitti Breuer, Maria Gravenoor, Luise Stapel, Bernd Heckels, Susanne Abel, Lizzy Berndt, Dorit Quast, Sigrid Fuchs, Gunter Kestenius, Dietmar Jank, Dirk Simpson, Carsten Does, Eva Reinhardt u.v.a.
Ich danke: Reinhard Münster, Sybille Windt, Monika Schmidt, Bernhard Türcke und besonders Eveline Stähelin.
Ein Film der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Produktionsleitung: Hans Müller.

Erstverleih: Wild Okapi.

Uraufführung: 23. Januar 1991, Saarbrücken (Max-Ophüls-Preis).

 

„Schon mal Propaganda jemacht?“ – „Politik interessiert mich nich!“

Was Rudi Kowatsch interessiert, ist die Frage, wie er endlich mal zu Geld kommt. Also hat der nicht mehr ganz junge, von Frau und Nachwuchs verlassene Arbeitslose auf eine jener (Klein-) Anzeigen geantwortet, die „4000,- DM garantiert!“ versprechen. Dafür soll Rudi im Auftrag von „Kemper Industry Productions“, ansässig in Spandau, vor Warenhäusern und auf Wochenmärkten „original Solinger Messer“ verkaufen, „eisgehärtet!“ und „Made in Taiwan – aber dit Solinger Zeichen sieht echt aus!“ wie ihm sein neuer Chef versichert.

Nach einigen Startproblemen entwickelt sich Rudi denn auch zum geschickten Propagandisten. So ungewohnt erfolgreich und finanziell flüssig, bekommt er genug Selbstvertrauen, um sich nicht nur selbständig zu machen, sondern seinem gerissenen Chef auch noch dessen Herzensdame Lilo auszuspannen. Doch so leicht läßt der sich nicht die Butter vom Brot nehmen …

Die lebensnahe Tragikomödie, mit der Dietmar Klein (Jahrgang 1956) sein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin abschloß, sorgte schon Anfang 1991 beim Wettbewerb um den Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken für Aufsehen, und erst recht, als sie im Laufe jenes Jahres in die Kinos kam: „kurz, präzise, witzig“ urteilte die „Saarbrücker Zeitung“ vom 25. Januar 1991, „zeichnet sich aus durch die genaue Beobachtung des Milieus, durch die Vermeidung von Larmoyanz ebenso wie von arroganter Lächerlichmachung“ die „Stuttgarter Zeitung“ vom darauffolgenden Tag, „einer der seltenen Filme, die man sich länger wünscht“, die „taz“ vom 31. Januar 1991.

Getragen wird die Geschichte aus dem West-Berliner Alltag vor allem von dem absolut überzeugenden Profi Achim Grubel in der Rolle des Losers aus der Unterschicht, der hofft, endlich einen Ausweg aus seinen miesen Verhältnissen gefunden zu haben, und dem Laien Ralf Holzhausen als ebenso jovialem wie gerissenem und bei Bedarf skrupellosem Chef.

Mit diversen Preisen ausgezeichnet, ist die an lauter Originalschauplätzen gedrehte Low-Budget-Produktion mit viel West-Berliner Lokalkolorit (wozu auch der durchgängig gesprochene Dialekt gehört) völlig zu unrecht in Vergessenheit geraten und ihre Wiederentdeckung längst fällig. Auf DVD oder Blu-ray ist „Solinger-Rudi“ noch nicht verfügbar.

 

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Die Website von Dietmar Klein finden Sie hier.

 

 

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J.G.

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Quellen der filmographischen Angaben: Filmformat, Ort und Datum der Uraufführung: http://www.filmportal.de/film/solinger-rudi_c8ae56ab79804f9cb28ac860e933b3d6 (besucht am 23.9.2016, dort wird als Produzent auch der Westdeutsche Rundfunk genannt). Alle anderen Angaben: Originalabspann.

Bilder: DFFB.