Berlin-Film-Katalog (in Vorbereitung)

Rarität des Monats Mai 2016

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Vom 13.-18. Juni 2016 um 18 Uhr läuft

 

Martha

DDR 1978 – 56 Min. (1527 m) – 35 mm (1:1,33) – Farbe
Regie, Buch: Jürgen Böttcher. Kamera: Wolfgang Dietzel. Schnitt: Angelika Arnold. Redaktion: Dr. Wolfgang Geier. Ton: Stefan Edler. Produktion: Rolf Günter Voss. Mischton: Hans-Jürgen Mittag.
Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme.

Vorführung einer 35-mm-Kinofilmkopie.

 

Im Pergamonmuseum

DDR 1962 – 16 Min. – 35 mm (1:1,33) – Schwarzweiß
Regie: Jürgen Böttcher. Kamera: Christian Lehmann. Schnitt: Bärbel Fröhmcke, Musik: Gerhard Rosenfeld.
Produktion: DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme.

Vorführung eines digitalen Datenträgers (die authentische Fassung von „Im Pergamonmuseum“ ist derzeit leider nicht in 35 mm verfügbar).

 

Martha Bieder ist eine der letzten Trümmerfrauen Berlins: Seit Jahrzehnten sortiert sie Schutt auf der Rummelsburger Kippe – genauer: im Sieb- und Brecherwerk Rummelsburg des VEB Kombinat Tiefbau Berlin. Nun, mit 68 Jahren, geht sie in Rente. Jürgen Böttcher beobachtet und befragt sie bei der – früher noch sehr viel härteren – Arbeit, die sie jahrzehntelang bei Wind und Wetter ausgeübt hat, und bei der rustikalen Abschiedsfeier mit ihren zum Teil viel jüngeren Kollegen. Entdeckt hatte der Regisseur die ebenso selbstbewußte wie schnoddrige Martha und ihren Arbeitsplatz buchstäblich im Vorbeigehen: Auf dem Weg zwischen seiner Wohnung und dem S-Bahnhof kam er an der Rummelsburger Kippe (die inzwischen längst abgeräumt worden ist) regelmäßig vorbei.

Beim Leipziger Dokfilmfestival 1978 uraufgeführt, erntete die unprätentiöse Dokumentation, die im Jahr darauf auch bei den Oberhausener Kurzfilmtagen lief, in Ost wie West viel Lob von den Kritikern und Beifall vom Publikum. Für Böttcher bedeutete sie die endgültige Rehabilitierung und das Ende der zahlreichen „Strafarbeiten“, die er nach dem Verbot seines ersten und einzigen Spielfilms „Jahrgang 45“ 1966 zu leisten hatte.

Mit der Methode, seine Protagonistin ausgiebig zu Wort kommen zu lassen (von ihm selbst gibt es nur wenige erklärende Worte), wirkte Böttcher damals wegweisend für den DDR-Dokumentarfilm. Schon nach kurzer Zeit wurde dieses Vorgehen von seinen Kollegen jedoch so inflationär angewandt, daß Böttcher davon wieder Abstand nahm.

Trotz seiner Bedeutung ist „Martha“ weitgehend in Vergessenheit geraten und nur noch selten zu sehen. Wir würdigen mit der Wiederaufführung einen der bedeutendsten DEFA-Dokumentaristen, der am kommenden 8. Juli seinen 85. Geburtstag feiern kann. Zusammen mit dem knapp einstündigen Film präsentieren wir eine sehr frühe Arbeit Böttchers, die mittlerweile ebenfalls zur Rarität geworden ist: „Im Pergamonmuseum“ (1962) zeigt weniger die dort ausgestellten Kunstschätze (die zum großen Teil erst wenige Jahre zuvor von der Sowjetunion zurückgegeben worden waren) als vielmehr, wie Menschen sie betrachten und meist stumm bestaunen. Wohl weil er für das DDR-Außenministerium entstand und problemlos international einsetzbar sein sollte, durfte der Film – für damalige Verhältnisse ungewöhnlich – ohne gesprochenen Kommentar auskommen. Zunächst zumindest, denn später wurde – ohne Böttchers Wissen – doch noch eine Version angefertigt, in der aus dem Off in der üblichen Manier erklärt wird, wie man das Gezeigte zu verstehen hat. Wir zeigen die authentische, wortlose Fassung.

 

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

 

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J.G.

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Quelle der filmographischen Angaben: Filmlänge, Filmformat „Martha“: http://www.filmportal.de/film/martha_324dea6198084c6f8623144af8e4af92 (besucht am 23.5.2016). Filmformat „Im Pergamonmuseum“: http://www.filmportal.de/film/im-pergamon-museum_5f683b3abc0743f590134dd2a0405908 (besucht am 23.5.2016). Filmlänge „Im Pergamonmuseum“: eigene Sichtung. Alle anderen Angaben: Originalvorspänne.

Bilder: DEFA-Stiftung/Wolfgang Dietzel bzw. Christian Lehmann.